Publikationen - Blog - Katrin Juntke Zukunftsmanagement

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Der Kampf mit den zwei Herzen in einer Brust

Katrin Juntke Zukunftsmanagement
Kennen Sie diese Situation? Sie arbeiten an der Lösung eines Problems, kommen aber nicht voran, da Sie innerlich zwischen Überzeugung und Zweifeln schwanken.
Wissen Sie, wer Sie da dirigiert?

Dies sind zwei Komponenten Ihres Selbst, auch «inneres Team» genannt, also unterschiedliche Facetten Ihrer Persönlichkeit. Sie haben aber noch viele mehr. Die äussern sich oft in den Rollen, in denen Sie auftreten: als Kollege, Vorgesetzter, Sportler usw. Es können auch andere Zustände sein, z. B. der Mutige, der Ängstliche, der Zy­niker, der Kritiker, der Visionär.

In der Kommunikation spielt Ihre Wahrnehmung mit Ih­ren «inneren Teammitgliedern» eine ganz wichtige Rolle. Dieses alltägliche Phänomen, welches in der Regel eher unbewusst abläuft, können wir sehr gut dafür nutzen, uns besser kennen zu lernen, zu steuern und dadurch wirkungsvoller zu kommunizieren und zu handeln. Dabei geht die Steuerungsfunktion von Ihnen selbst aus, Ihre eigene Führungsressource hierfür nutzbar zu machen, die Stärken und Begrenzungen der eigenen Teammitglieder und deren Eigendynamik zu entdecken und kontextbezogen für deren optimale Koordination und Führung zu sorgen. Ohne unsere Führungsverantwortung würden sich die inneren Teammitglieder einfach so zu Wort melden und je nach Gelegenheit um eine möglichst leitende Stellung im inneren System kämpfen. Dies spürt man dann selbst beson­ders deutlich, wenn man in einer Entscheidungssituation mal von einer Möglichkeit zur anderen springt, ohne sich aber auf eine Handlungsoption festlegen zu wollen.

Führungskräfte be­richten häufig von dem Phänomen, sich innerlich zerrissen zu fühlen, da an ihre Person die unterschiedlichsten Anforde­rungen und Erwartungen hinsichtlich ihrer Rollen und ihrer Verantwortung ge­richtet werden. So stehen Führungskräf­te vor der Herausforderung, z.B. als Ent­scheider, fachlicher Experte, Verant­wortlicher für die Bereichsziele, "neutraler" Moderator bei Konflikten, Motivator usw. möglichst gleichzeitig gerecht zu werden.

Alles, was man mit einem Team aus realen Personen tun kann, ist mit inneren Anteilen einer Persönlichkeit in ähnlicher Weise möglich. Wir können mit vorgegebenen Teilen arbeiten oder die relevanten Unter-Ich’s bezüglich des Themas individuell herausarbeiten. Dies geschieht beispielsweise im Gespräch über ein Thema, wobei der Berater auf Körpersignale, innere Stimmen, Absichten und Aspekte der Erfahrung achtet, die der Klient zum Aus­druck bringt. Häufig begegnen wir näm­lich verbal oder nonverbal einem «Ja, aber ...», einem «und ausserdem...» oder einem «Einerseits....aber anderer­seits...». Damit haben wir also mindes­tens zwei Anteile gefunden. Später kön­nen wir bei Bedarf Anteile ergänzen, die noch fehlen, um eine Lösung zu finden.

Vernetzungen veranschaulichen
Systemische Denken bedeutet, die Verbindungen, Wechselwirkungen und Prozesse eines Systems zu erfassen und zu berücksichtigen. Die typische Form der Arbeit mit dem Inneren Team besteht darin, die einzelnen Anteile im Raum nach der inneren Wahrnehmung darzustellen, diese also zu externalisieren. Dies kann durch Bodenmarkierung geschehen oder durch Holzfiguren, welche für diese Anteile stehen.
Der Berater unterstützt den Klienten dabei, durch sinnvolle Prozessschritte die Beziehungen und den Austausch der Unter-Ich's so zu organisieren, dass ein optimales Zusammenspiel möglich wird. Es kann darum gehen, dass diese sich in ihren positiven Absichten erkennen und würdigen, dass sie ihre Position zu einander verändern, dass sie Ressourcen von aussen erhalten oder untereinander austauschen. Vielleicht auch, dass sie Ereignisse, die in der Vergangenheit liegen, oder die Ausrichtung in ihrer gemeinsamen Zukunft klären.

Und noch etwas: Machtkämpfe in Unternehmen sind oft die Folgen des inneren Kampfes verschiedener Unter­Ich’s. Konflikte mit Mitarbeitenden und Vorgesetzten können uns zeigen, welche eigenen Teilpersönlichkeiten verbannt sind und z.B. als Widerstand oder Druck von aussen wieder auf uns zukommen.

Artikel erschien im "Der Landbote"






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