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Wenn Angsthasen mit Draufgängern sprechen

Katrin Juntke Zukunftsmanagement
Herausgegeben von in Persönlichkeitsentwicklung ·
Tags: inneres TeamUnter-IchTeammitgliedTeilpersönlichkeitWahrnehmung
Angsthase, Draufgänger, Perfektionist? Das «Innere Team» besteht aus Teilpersönlichkeiten. Diese zu kennen, kann Rollenverhalten positiv beeinflussen.

In der Kommunikation spielt die Wahrnehmung mit dem «Inneren Team», auch «Unter-Ichs» genannt, eine entscheidende Rolle.

Dieses alltägliche Phänomen, welches häufig unbewusst abläuft, kann sehr gut genutzt werden, um sich besser kennen zu lernen und dadurch wirkungsvoller zu kommunizieren und zu handeln. Dabei geht die Steuerung von der Person selber aus. Diese ist vor die Aufgabe gestellt, ihre eigenen inneren Führungsressourcen nutzbar zu machen, die Stärken und Begrenzungen der eigenen Teammitglieder und deren Eigendynamik zu entdecken und kontextbezogen für deren optimale Koordination und Aufstellung zu sorgen. Ohne diese Führungsverantwortung in uns würden sich die inneren Teammitglieder unorganisiert zu Wort melden und je nach Gelegenheit um eine möglichst tonangebende Stellung in diesem System kämpfen.

Zerissen
Menschen berichten häufig von dem Phänomen, sich innerlich zerrissen zu fühlen, da an ihre Person die unterschiedlichsten Anforderungen und Erwartungen hinsichtlichihrer Rolle und Verantwortung gerichtet werden. So stehen Mitarbeitende vor der Herausforderung, dem Anspruch z.B. als Entscheider, Organisator, Fachexperte, Optimist, Motivator usw. möglichst gleichzeitig gerecht zu werden.Dies kann zu einer langwierigen Abwägung zwischen Bedürfnissen und Motivationen bei einer Person führen, da oftmals keine Lösung, allen inneren Stimmen gleichermassen und vollständig zu entsprechen, gefunden werden kann. Man fühlt sich hin- und hergerissen zwischen den komplexen und konflikthaften inneren Abstimmungsprozessen der persönlichen Teammitglieder.

Teilpersönlichkeit
Das von dem Psychologen Prof. Dr. Friedmann Schultz von Thun entwickelte Modell des «Inneren Teams» hilft, sich in all seinen Wesenszügen kennen zu lernen und sich je nach Situation angemessen und authentischzu verhalten. Dieses Modell liefert eine Erklärung dafür, wieso sich ein und dieselbe Person ganz unterschiedlich verhalten kann – warum jemand beispielsweise im Freundeskreis offen, schlagfertig und umgänglich auftritt, während er gegenüber Fremden abweisend und behutsam ist.
Nach dem Bild des «Inneren Teams» besteht unser Selbst aus einer Gruppe von Teilpersönlichkeiten, die je nach Situation in unterschiedlicher Intensität unser Verhalten prägen. In der einen Situation setzt sich beipielsweise «der Angsthase» in uns durch, in der anderen «der Draufgänger»,in der nächsten «der Perfektionist». Wer die Oberhand gewinnt, entscheidet sich in einem permanenten inneren Gespräch unserer Teilpersönlichkeiten, das mal bewusst, mal unbewusst geführt wird.

Alles, was man mit einem Team aus realen Personen tun kann, ist mit den inneren Anteilen einer Persönlichkeit in ähnlicher Weise möglich. Wir können mit vorgegebenen Teilen arbeiten oder die relevanten «Unter-Ichs» bezüglichdes Themas individuell herausarbeiten. Die typische Form der Arbeit mit dem «Inneren Team» besteht darin, die einzelnen Anteile im äusseren Raum gemäss der inneren Wahrnehmung darzustellen, sie zu externalisieren.

Zusammenspiel
Dies kann durch Bodenmarkierungen geschehen oder durch Holzfiguren, welche für diese Anteile stehen. Der Berater unterstützt den Klienten nun dabei, durch sinnvolle Prozessschritte die Beziehungen und den Austausch der Teammitglieder in der Weise zu organisieren, dass ein optimales Zusammenspiel möglich wird. Es geht darum, ihre positiven Absichten zu erkennen und zu würdigen, sodass sie ihre Positionen zueinander verändern können, dass sie Ressourcen von aussen erhalten oder Ressourcen untereinander austauschen. Vielleicht auch, dass sie Ereignisse, die in ihrer Vergangenheit liegen, oder die Ausrichtung in ihrer gemeinsamen Zukunft klären.

In jedem Menschen schlummern also unterschiedliche Persönlichkeitsaspekte. Wer sie erkennt, kann sich und sein hin und wieder sehr emotionales, unbewusstes Verhalten besser verstehen und authentischer auftreten.

Artikel erschien in der "Neue Luzerner Zeitung"



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